„Remember, racism kills - ein Erinnerungsspaziergang, der die Folgen von Rassismus und Faschismus im Herzen unserer Stadt zeigt“

„Remember, racism kills - ein Erinnerungsspaziergang, der die Folgen von Rassismus und Faschismus im Herzen unserer Stadt zeigt“

Am ersten Stadtteilrundgang der Lobby für Demokratie zu relevanten Orten der Erinnerung, der Mahnung und auch der Hoffnung nahmen zahlreiche interessierte Mitbürger*innen teil.

An der Hilarius-Gilges-Stele (2015) in unmittelbarer Nähe der Oberkasseler Brücke begrüßte Dirk Sauerborn die Teilnehmer*innen mit einer Erinnerung an das erste Opfer des Nationalsozialismus in Düsseldorf. Der Düsseldorfer Oberbürgermeister Thomas Geisel ermahnte zu Wachsamkeit und Aufmerksamkeit und nahm ebenfalls teil, solange es seine Amtsgeschäfte zuließen - wir bedanken uns dafür!

Hilarius Gilges war gerade 24 Jahre jung, als er am 20.6.1933 brutal aus seiner Familie gerissen wurde, gefoltert und von der SS ermordet. An Gilges erinnert auch eine Plakette der Düsseldorfer Künstlerin Hannelore Köhler, die bereits 1988 am Eingang zur Tonhallenpassage (Joseph-Beuys-Ufer) enthüllt wurde. Von dort führte der Rundgang zum von den Nazis unerwünschten und teilweise zerstörten „39er“ Denkmal von Jupp Rübsam, das bereits auf dem Gelände der heutigen Tonhalle liegt.

Über den Hilarius-Gilges-Platz, 2003 eingeweiht, ging es zum JugendKULTURcafé Franzmann auf der Ratinger Straße. Das Franzmann ist ein großartiger Treffpunkt für Jugendliche aller Nationalitäten und bietet vielfache Möglichkeiten für den interkulturellen Austausch, Ausstellungen, Konzerte und Theater. Strahlend bunt und fröhlich sind die Räume, freundlich und zugewandt die Menschen. Durch das Café, betrieben von der Kath. Jugendagentur, ging es zur Ritterstraße und zurück an den Rhein.

Dank eines Fragebogens, den jeder Teilnehmer in die Hand bekam, hatten sich in der Zwischenzeit verschiedene Grüppchen gefunden, die sich mit Fragen beschäftigten, die Menschen ohne offensichtlichen Migrationshintergrund meist gar nicht erst gestellt werden. „Haben Fremde schon mal ungefragt Deine Haare angefasst?“ Oder auch: „Wie würdest Du Dich fühlen, wenn Deine neuen Nachbarn eine afghanische Familie wären?“ „Wie würdest Du Dich fühlen, wenn Deine neuen Nachbarn eine schwedische Familie wären?“ Schnell waren die Gespräche offen und fast jeder konnte von eigenen Erfahrungen, auch eigenen Reaktionen berichten...

Mit dem Sonnenuntergang bewegte sich die Gruppe zum Rhein und am Fluss entlang zum Alten Hafen. Ziel war das Mahnmal Ehra (Ehra oder Kind mit Ball), der Abguss einer Arbeit des Künstlers Otto Pankok, aufgestellt im Januar 1997 am 52. Jahrestag der Befreiung des KZ Auschwitz.

Die Figur erinnert an die Sinti und Roma, die Opfer des Völkermordes wurden, über 100 wurden allein aus dem Lager am Höherweg verschleppt. Ehra überlebte... Eine sehr nachdenkliche Gruppe verließ den Standort des Mahnmals, Dirk Sauerborn führte zum Heinrich-Heine-Institut auf der Bilker Straße und erinnerte dort an den großen Düsseldorfer Dichter. Er überraschte mit der Feststellung, dass die wenigstens Düsseldorfer Heine lesen würden. Hier wurde natürlich das in diesem Kontext unumgängliche Zitat aus Heines Tragödie „Almansor“ (1823) besprochen: „Das war ein Vorspiel nur, dort, wo man Bücher verbrennt, verbrennt man am Ende auch Menschen.“ Am 11.4.1933 wurde die Bücherverbrennung in Düsseldorf von der Hitlerjugend initiiert, nur wenige Monate später Hilarius Gilges ermordet.

Der Erinnerungsspaziergang endete nach insgesamt zwei Stunden auf der Kasernenstraße an der Gedenktafel für die große Synagoge, die am 9.11.1938 in Brand gesetzt wurde, zeitgleich wurden alle Wohnungen und Läden jüdischer Bürger zerstört, Dutzende Menschen misshandelt. Von der ursprünglich 5.053 Mitglieder zählenden jüdischen Gemeinde kehrten nach 1945 nur 58 Menschen nach Düsseldorf zurück, 2.584 wurden gefoltert und ermordet.

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